Hommage 2021

«Schellen-Ursli, kennst du, ja?»
«Ja, klar. Alois Carigiet»
«Nein, nicht der Künstler. Die Autorin»
«Hmm, ja, stimmt. Das war doch Chönz, Könz…»

Dieses Gespräch fand auf dem Weg an die „Hommage 2021“ tatsächlich statt. Und ich gestehe, ich war die Antwortende… Die Ausstellung will Frauen sichtbar machen. 52 Portraits von engagierten Frauen gilt es in der Berner Altstadt noch bis am 30. Juni an den Mauern der Gebäude zu entdecken. Eine von ihnen ist Selina Chönz-Meyer.

Schon die Machart der Freilichtausstellung überzeugt, denn so viel Öffentlichkeit erhalten Frauen, die sich für Chancengerechtigkeit einsetzten, selten. Bekannte Pionierinnen wie Iris von Roten erleichtern dabei den Einstieg in die Ausstellung. Doch wer waren beispielsweise Gertrud Spiess und Elisabeth Pletscher?

Die ansprechenden Portraits kombiniert mit den durch QR-Code abrufbaren kurzen Informationen regen dazu an, mehr über die Welt zu erfahren, in der diese Frauen lebten. Sie kämpften gegen grundsätzliche Widerstände und setzen sich gegen zementierte Ungerechtigkeiten zur Wehr. Dadurch waren sie wohl viel isolierter, als wir es heute sind.

Dass wir uns selbst 40 Jahre nach Aufnahme des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung noch immer für Lohn- und Chancengleichheit einsetzen müssen, ist aus meiner Sicht jedoch ein Zeichen dafür, dass der Kern dieses Widerstands auch heute immer wieder aufflackert. Wir sind längst nicht so weit, dass das Geschlecht eines Menschen in allen Belangen des Lebens schlicht egal ist.

Eine der portraitieren Frauen tanzt auf den ersten Blick etwas aus der Reihe: Corinne Rey-Bellet. Der Wert und Weitblick der Ausstellung zeigt sich gerade bei ihr jedoch exemplarisch. So lautet der Schluss ihrer Hommage: „Corinne, die so ungebundene, in der Ausübung ihres Sport so entschlossene und ihr Image so wirksam kontrollierende Frau wird im Alter von 33 Jahren Opfer eines Frauenmords. Diese Nachricht bewegt 2006 die gesamte Schweiz. Hier an sie zu erinnern ist eine Form der Ehrerweisung an diese Frau und an die Opfer ehelicher Gewalt.“

Die Ausstellung ging mir nah. Zum Schluss waren an diesem Februarabend die Füsse kalt und nicht nur die Hände klamm. Nein, klamm war mir auch ein bisschen im Herzen. 100 Jahre unermüdlicher Einsatz gegen schier unüberwindbare Widerstände, nie nachlassende Energie und die Überzeugung, dass das Geschlecht eines Menschen keine Rolle spielt. Wir verdanken diesen Frauen viel und sind verpflichtet, den von ihnen eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Denn wie gesagt, die Widerstände flackern immer wieder auf. Nur so kann ich mir erklären, dass die Schweiz am 7. März 2021 darüber abstimmt, ob in der Verfassung verankert werden soll, was für Kleider Frauen tragen dürfen. Lassen wir es nicht zu!

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